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Lot Nr. 69 V


1971 Porsche 911 E 2,2 Liter


Aus dem Erstbesitz des langjähren Präsidenten des Porsche Clubs Wien
In unrestauriertem Originalzustand
Matching Numbers


Nahezu neun Jahrzehnte hat sich das Leben von Kurt Weber vor allem um eines gedreht, ums Automobil. Wirklicher Zufall war das keiner, schließlich war Vater Eduard der eine Teil im Namen von Österreichs größter Steyr-Vertretung Weber und Rühl. 1931, im Jahr, als Kurt Weber geboren wurde, legte der Vater den Grundstein für eine neue Niederlassung in der Apollogasse am Neubau. Die Gasse verlieh dem Betrieb auch seinen Namen – Apollogarage. Garage deshalb, weil diejenigen, die sich seinerzeit das Privileg Automobil leisten konnten, es nicht einfach am Straßenrand abstellen durften, sondern auch eine Einstellmöglichkeit vorweisen mussten. So wurden in der Apollogarage nicht nur Steyrer verkauft, montiert und repariert, sondern auch Fremdfabrikate aller Marken garagiert.

Nach Deutschen, Sowjets und Amerikanern war von Maschinen und Werkzeug nichts übrig geblieben. Erst am 25. Oktober 1955 bekam die Familie Weber ihre Apollogarage zurück. Steyr Automobile gab es längst keine mehr und der junge Kurt musste den Betrieb vom kranken Vater übernehmen. Das Geschäft lief trotzdem, weil das Automobil nahtlos dort ansetzte, wo es vor dem Krieg aufgehört hatte: bei der Mobilisierung der Massen. Zu Kurt Webers 30er ging sich gar schon ein Porsche Cabriolet aus, mit 90 PS, denn die schnelle Fortbewegung war zur Leidenschaft geworden und die Fabrikate von Porsche zum bevorzugten Mittel zur Ausübung derselben. 1962 folgte noch ein Coupé für die Rennfahrerei, mit dem er sich einmal auch ein Rennen mit einem Maserati lieferte, das für Schlagzeilen sorgte, weil sich der Maserati samt prominenter Insaßen mehrmals um die eigenen Achse drehen würde. 1965 kam dann der ganz neue 912 in die Garage und zum 40er 1971 als Krönung ein 911 E 2,2 Liter, in Blutorange, mit elektrischem Schiebedach und Sportpaket. Auf Unnötigkeiten wie Radio oder Kopfstützen wurde dabei gern verzichtet.

Der 911 E schien zum Modelljahr 1969 erstmals im Porsche-Programm auf. Er war das Mittelding zwischen dem Einstiegs-911er und dem sportlichen 911 S. Dabei war er letzterem weitaus näher, nicht nur in den Leistungsdaten, sondern weil auch sein Motor seit Anbeginn von einer mechanischen Benzineinspritzung versorgt wurde. Auch als Porsche für 1970 die neuen 2,2 Liter Modelle präsentierte, gab es wieder einen 911 E. Dessen Triebwerk leistete 155 PS und galt stets als die insgeheim beste Variante. Die Leistung war ausreichend, deren Entfaltung überaus elastisch und in Drehzahlbereiche, wo der 911 S seine Qualitäten auszuspielen begann, kam ein Normalsterblicher abseits der Rennstrecke höchst selten.

Kurt Weber war zu der Zeit schon Präsident des Porsche Clubs Wien und der 911er sein Heiligtum. Davon wissen auch die beiden Söhne zu berichten, die sich wohl daran erinnern können, mitsamt Großmutter und Hund nach Istrien in den Familienurlaub gebraust zu sein, nicht aber daran, dass sie selbst einmal hinter dem Volant hatten Platz nehmen dürfen.

Hoch und heilig war Kurt Weber auch ein Schirm, den er mit dem 911er bekommen hatte. Der war am oberen Ende ausklappbar und konnte so zur Sitzgelegenheit umfunktioniert werden. Diese Schirme waren ausschließlich besonderen Kunden vorbehalten und Kurt Weber war ein solcher. Jedes Mal, bevor er den Wagen zum Service in die Werkstatt brachte, nahm er den Schirm aus dem Kofferraum, damit der nicht durch eine Achtlosigkeit oder etwaige Mutwilligkeit abhanden kommen konnte.

So oft einst auf den einen Porsche der nächste folgte, der 911er blieb und auch die Liebe zu ihm. Bis zuletzt ging Herr Weber täglich in sein Büro zwischen Ein- und Ausfahrt seiner Garage, stets im grauen Anzug mit Krawatte, das weiße Haar akkurat zum Seitenscheitel frisiert. Nur ein paar Meter weiter, weggesperrt hinter einem Tor und zugedeckt, wartete bestens gehütet sein Porsche 911. Die vielen Jahre hatten vielleicht am Fahrer Spuren hinterlassen, am Sportwagen kaum, waren doch die Tage des Fahrens schon lange immer weniger geworden. Der gemeinsame 50er blieb den beiden leider verwehrt, Kurt Weber ist wenige Tage vor Weihnachten 2020 89-jährig verstorben. Er hinterlässt mit seiner Apollogarage nicht nur eine Institution längst vergangener Tage, sondern auch einen Porsche 911 E, der genauso einzigartig ist wie die Garage, und wie sein Besitzer war.

Chassis: 9111200634,
Motor: 6210975,
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung

03.07.2021 - 15:00

Erzielter Preis: **
EUR 131.800,-
Schätzwert:
EUR 90.000,- bis EUR 130.000,-

1971 Porsche 911 E 2,2 Liter


Aus dem Erstbesitz des langjähren Präsidenten des Porsche Clubs Wien
In unrestauriertem Originalzustand
Matching Numbers


Nahezu neun Jahrzehnte hat sich das Leben von Kurt Weber vor allem um eines gedreht, ums Automobil. Wirklicher Zufall war das keiner, schließlich war Vater Eduard der eine Teil im Namen von Österreichs größter Steyr-Vertretung Weber und Rühl. 1931, im Jahr, als Kurt Weber geboren wurde, legte der Vater den Grundstein für eine neue Niederlassung in der Apollogasse am Neubau. Die Gasse verlieh dem Betrieb auch seinen Namen – Apollogarage. Garage deshalb, weil diejenigen, die sich seinerzeit das Privileg Automobil leisten konnten, es nicht einfach am Straßenrand abstellen durften, sondern auch eine Einstellmöglichkeit vorweisen mussten. So wurden in der Apollogarage nicht nur Steyrer verkauft, montiert und repariert, sondern auch Fremdfabrikate aller Marken garagiert.

Nach Deutschen, Sowjets und Amerikanern war von Maschinen und Werkzeug nichts übrig geblieben. Erst am 25. Oktober 1955 bekam die Familie Weber ihre Apollogarage zurück. Steyr Automobile gab es längst keine mehr und der junge Kurt musste den Betrieb vom kranken Vater übernehmen. Das Geschäft lief trotzdem, weil das Automobil nahtlos dort ansetzte, wo es vor dem Krieg aufgehört hatte: bei der Mobilisierung der Massen. Zu Kurt Webers 30er ging sich gar schon ein Porsche Cabriolet aus, mit 90 PS, denn die schnelle Fortbewegung war zur Leidenschaft geworden und die Fabrikate von Porsche zum bevorzugten Mittel zur Ausübung derselben. 1962 folgte noch ein Coupé für die Rennfahrerei, mit dem er sich einmal auch ein Rennen mit einem Maserati lieferte, das für Schlagzeilen sorgte, weil sich der Maserati samt prominenter Insaßen mehrmals um die eigenen Achse drehen würde. 1965 kam dann der ganz neue 912 in die Garage und zum 40er 1971 als Krönung ein 911 E 2,2 Liter, in Blutorange, mit elektrischem Schiebedach und Sportpaket. Auf Unnötigkeiten wie Radio oder Kopfstützen wurde dabei gern verzichtet.

Der 911 E schien zum Modelljahr 1969 erstmals im Porsche-Programm auf. Er war das Mittelding zwischen dem Einstiegs-911er und dem sportlichen 911 S. Dabei war er letzterem weitaus näher, nicht nur in den Leistungsdaten, sondern weil auch sein Motor seit Anbeginn von einer mechanischen Benzineinspritzung versorgt wurde. Auch als Porsche für 1970 die neuen 2,2 Liter Modelle präsentierte, gab es wieder einen 911 E. Dessen Triebwerk leistete 155 PS und galt stets als die insgeheim beste Variante. Die Leistung war ausreichend, deren Entfaltung überaus elastisch und in Drehzahlbereiche, wo der 911 S seine Qualitäten auszuspielen begann, kam ein Normalsterblicher abseits der Rennstrecke höchst selten.

Kurt Weber war zu der Zeit schon Präsident des Porsche Clubs Wien und der 911er sein Heiligtum. Davon wissen auch die beiden Söhne zu berichten, die sich wohl daran erinnern können, mitsamt Großmutter und Hund nach Istrien in den Familienurlaub gebraust zu sein, nicht aber daran, dass sie selbst einmal hinter dem Volant hatten Platz nehmen dürfen.

Hoch und heilig war Kurt Weber auch ein Schirm, den er mit dem 911er bekommen hatte. Der war am oberen Ende ausklappbar und konnte so zur Sitzgelegenheit umfunktioniert werden. Diese Schirme waren ausschließlich besonderen Kunden vorbehalten und Kurt Weber war ein solcher. Jedes Mal, bevor er den Wagen zum Service in die Werkstatt brachte, nahm er den Schirm aus dem Kofferraum, damit der nicht durch eine Achtlosigkeit oder etwaige Mutwilligkeit abhanden kommen konnte.

So oft einst auf den einen Porsche der nächste folgte, der 911er blieb und auch die Liebe zu ihm. Bis zuletzt ging Herr Weber täglich in sein Büro zwischen Ein- und Ausfahrt seiner Garage, stets im grauen Anzug mit Krawatte, das weiße Haar akkurat zum Seitenscheitel frisiert. Nur ein paar Meter weiter, weggesperrt hinter einem Tor und zugedeckt, wartete bestens gehütet sein Porsche 911. Die vielen Jahre hatten vielleicht am Fahrer Spuren hinterlassen, am Sportwagen kaum, waren doch die Tage des Fahrens schon lange immer weniger geworden. Der gemeinsame 50er blieb den beiden leider verwehrt, Kurt Weber ist wenige Tage vor Weihnachten 2020 89-jährig verstorben. Er hinterlässt mit seiner Apollogarage nicht nur eine Institution längst vergangener Tage, sondern auch einen Porsche 911 E, der genauso einzigartig ist wie die Garage, und wie sein Besitzer war.

Chassis: 9111200634,
Motor: 6210975,
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 16.00
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auktion: Klassische Fahrzeuge
Datum: 03.07.2021 - 15:00
Auktionsort: Vösendorf
Besichtigung: Mittwoch, 30.06.2021 bis Samstag, 03.07.2021 9-14 Uhr


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.