Lot No. 107 V


1963 Ferrari 250 GT/E Pininfarina 2+2 Serie III


Seit 20 Jahren beim Einbringer
Matching Numbers

“A not only grand, but glorious, touring car“

Mit diesen Worten begann der Testbericht des amerikanischen Road & Track Magazines. Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Mit Ausklang der 1950er Jahre endete bei Ferrari die Zeit der Einzelstücke, es begann etwas, bei dem man beinahe versucht ist es Serienfertigung zu nennen. Es gab von Pininfarina eingekleidet ein zweisitziges Coupé und dazu ein Cabriolet und es gab von Scaglietti auf verkürztem Radstand die Berlinetta zum Rennfahren und als offenes Pendant dazu den California Spider. Obwohl Ferrari, oder besser gesagt die Carrozzeria Ghia, in den 1950ern schon einzelne 2+2 sitzige Sportwagen baute, sah Enzo Ferrari darin eine Lücke, die es zu schließen galt und den Auftrag dazu erteilte er Pininfarina.

Seine Premiere sorgte für Aufsehen, denn man hatte seine Präsentation zum 24 Stundenrennen von Le Mans angekündet, weshalb alle einen neuen Sportwagen erwarteten. Der neue stand dann aber nicht im Starterfeld, sondern fuhr als Pace Car den Rennern voraus. Das hatte man sich von den Amerikanern abgeschaut und funktionierte auch in Europa. Dass Ferrari dabei auch noch einen Doppelsieg errang machte das Wochenende aus italienischer Sicht perfekt. Seine offizielle Präsentation folgte dann im Oktober auf dem Automobilsalon in Paris, tatsächlich sogar als Ablöse des zweisitzigen Coupés.

Das Chassis basierte auf dem des zweisitzigen Coupés. Um Platz für vier Passagiere zu schaffen, wanderte der Motor etwas weiter nach vorne und das Blechkleid wuchs in alle Richtungen. Der 2+2 war bei gleichem Radstand gut 30 cm länger, 6 cm breiter und ein klein wenig höher. Ausgewachsene Erwachsene hatten auf der Rückbank trotzdem ihre liebe Not. Das Design war grundlegend neu. Die B-Säule zeichnete man im rechten Winkel zum flach abfallenden Dach, das weit hinten auf eine gerade Gürtellinie traf. Zeitgenössische Kritiker sprachen von einer zeitlos-eleganten Form, manche empfanden ihn aber auch als zu brav. Das Design sollte jedoch noch Jahre später die Referenz für diverse Pininfarina-Entwürfe sein, “zeitlos“ war deshalb nicht so verkehrt. Das Cockpit ähnelte seinem Vorgänger, ergänzt um eine Mittelkonsole dominierten weiterhin zwei große Rundinstrumente, garniert mit zahlreichen kleineren Zusatzinstrumenten, für die Befindlichkeiten des V12s im Bug. Das war der bereits bekannte Colombo-Dreiliter Tipo 128 E, der 240 PS leistete. Geschaltet wurde mit vier Gängen plus Overdrive.

Für Ferrari wurde der 250 GT/E 2+2 zum großen Erfolg. Eine vierstellige Stückzahl schien erstmals zum Greifen nahe, als er nach gut 950 Stück vom 330 abgelöst wurde. In den vier Jahren, die er gebaut wurde, wurde der GT/E stets verfeinert. Heute unterscheidet man drei Serien. Der Preis für den GT/E war übrigens der gleiche wie für die Berlinetta SWB, das Cabriolet und den California. Nur der GTO war um ein Stück teurer. Die Stückzahlen zeigen dabei, welches Potenzial tatsächlich in der Nische steckte. Dass sie bis heute nur einen Bruchteil ihrer teuren Rennsport-Artgenossen kosten, mussten viele GT/Es mit dem Leben bezahlen, dienten sie doch oft als Basis für GTO-, TR- oder SWB-Repliken. Das hat ihren Bestand bis heute dramatisch reduziert.

Dieses Exemplar der dritten Serie, Chassis 4173GT, wurde laut Ferrari-Historiker Marcel Massini am 28. Jänner 1963 fertig gestellt und an die Mailänder Ferrari-Vertretung M. Castone Crepaldi S.a.s. ausgeliefert. Der GT/E war Grigio Scuro (20152 Italver) und hatte ein Interieur mit Connolly-Leder in Marrone (VM 3104). Der erste Besitzer, an den Crepaldi den Wagen verkaufte, hieß Andolfi und war ebenfalls aus Mailand. Der GT/E übersiedelte anschließend nach Kalifornien und war Anfang der 1970er Jahre bei Don Davis in Long Beach und ein Jahrzehnt später dann bei Tom Milton in Los Angeles. Sein nächster Besitzer, Bruce Whitcher, ebenfalls aus dem Golden State an der Westküste, ließ den Ferrari zu Beginn der 1990er Jahre komplett restaurieren. Ein Ordner voll mit Fotos, Aufzeichnungen und Rechnungen dokumentieren die Arbeiten von damals. Die Karosserie wurde komplett von jeglicher Korrosion befreit und auf blanker Basis im Anschluss in Avorio lackiert. Das braune Leder-Interieur wurde komplett erneuert und die Mechanik von vorne bis hinten überholt. Das Ergebnis wurde 1995 in Pebble Beach mit einem dritten Klassenrang (90 von 100 Punkten) beim vierten Concorso Italiano bei der Quail Lodge prämiert. 1996 nahm er noch einmal in Pebble Beach an einem Concours teil, dieses Mal vom Ferrari Club of America. Eine interessante Randnotiz auf dem Anmeldeformular sei hier nicht unerwähnt. Laut dem entsprachen die Zylinderköpfe der GTO-Spezifikation und der Motor leistete damit am Prüfstand 270 PS.

Vor schließlich 20 Jahren kam der 250 GT/E nach Deutschland zum Einbringer, der seinen Ferrari bis heute hegte und pflegte und ihn schweren Herzens nun in neue Hände weitergibt. Das Interieur präsentiert sich auch dreißig Jahre nach der Restaurierung noch von seiner besten Seite. Wenn man schon etwas zu bemängeln sucht, dann vielleicht die feinen Risse, die da und dort zeigen, dass sich Lack und Untergrund nach drei Jahrzehnten nicht mehr ganz so harmonisch vertragen. Das stört jedoch das Gesamtbild eines wunderschönen Sportwagens, der nach so vielen Jahren nun wieder etwas charmante Patina zeigen darf, nur schwer. Der V12 wusste auch beim Erwachen aus dem Winterschlaf auf Anhieb zu überzeugen. Laut Einbringer hat ihn sein Ferrari in 20 Jahren nicht einmal im Stich gelassen.

Dieser GT/E ist ein richtiges Fahrerauto! Herumstehen sollen andere, dieser will so benutzt werden, wie Enzo Ferrari sich das ausgedacht hatte. Schließlich beweist auch dieser 2+2 noch heute, dass schon damals nichts auch nur annähernd an einen Ferrari heranreichte - ein faszinierendes Automobil: hinreißend schön, elegant und schnell.

Chassis: 4173GT,
Motor: 4173,
Papiere: Deutsche historische Zulassung

15.06.2019 - 15:00

Estimate:
EUR 280,000.- to EUR 360,000.-

1963 Ferrari 250 GT/E Pininfarina 2+2 Serie III


Seit 20 Jahren beim Einbringer
Matching Numbers

“A not only grand, but glorious, touring car“

Mit diesen Worten begann der Testbericht des amerikanischen Road & Track Magazines. Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Mit Ausklang der 1950er Jahre endete bei Ferrari die Zeit der Einzelstücke, es begann etwas, bei dem man beinahe versucht ist es Serienfertigung zu nennen. Es gab von Pininfarina eingekleidet ein zweisitziges Coupé und dazu ein Cabriolet und es gab von Scaglietti auf verkürztem Radstand die Berlinetta zum Rennfahren und als offenes Pendant dazu den California Spider. Obwohl Ferrari, oder besser gesagt die Carrozzeria Ghia, in den 1950ern schon einzelne 2+2 sitzige Sportwagen baute, sah Enzo Ferrari darin eine Lücke, die es zu schließen galt und den Auftrag dazu erteilte er Pininfarina.

Seine Premiere sorgte für Aufsehen, denn man hatte seine Präsentation zum 24 Stundenrennen von Le Mans angekündet, weshalb alle einen neuen Sportwagen erwarteten. Der neue stand dann aber nicht im Starterfeld, sondern fuhr als Pace Car den Rennern voraus. Das hatte man sich von den Amerikanern abgeschaut und funktionierte auch in Europa. Dass Ferrari dabei auch noch einen Doppelsieg errang machte das Wochenende aus italienischer Sicht perfekt. Seine offizielle Präsentation folgte dann im Oktober auf dem Automobilsalon in Paris, tatsächlich sogar als Ablöse des zweisitzigen Coupés.

Das Chassis basierte auf dem des zweisitzigen Coupés. Um Platz für vier Passagiere zu schaffen, wanderte der Motor etwas weiter nach vorne und das Blechkleid wuchs in alle Richtungen. Der 2+2 war bei gleichem Radstand gut 30 cm länger, 6 cm breiter und ein klein wenig höher. Ausgewachsene Erwachsene hatten auf der Rückbank trotzdem ihre liebe Not. Das Design war grundlegend neu. Die B-Säule zeichnete man im rechten Winkel zum flach abfallenden Dach, das weit hinten auf eine gerade Gürtellinie traf. Zeitgenössische Kritiker sprachen von einer zeitlos-eleganten Form, manche empfanden ihn aber auch als zu brav. Das Design sollte jedoch noch Jahre später die Referenz für diverse Pininfarina-Entwürfe sein, “zeitlos“ war deshalb nicht so verkehrt. Das Cockpit ähnelte seinem Vorgänger, ergänzt um eine Mittelkonsole dominierten weiterhin zwei große Rundinstrumente, garniert mit zahlreichen kleineren Zusatzinstrumenten, für die Befindlichkeiten des V12s im Bug. Das war der bereits bekannte Colombo-Dreiliter Tipo 128 E, der 240 PS leistete. Geschaltet wurde mit vier Gängen plus Overdrive.

Für Ferrari wurde der 250 GT/E 2+2 zum großen Erfolg. Eine vierstellige Stückzahl schien erstmals zum Greifen nahe, als er nach gut 950 Stück vom 330 abgelöst wurde. In den vier Jahren, die er gebaut wurde, wurde der GT/E stets verfeinert. Heute unterscheidet man drei Serien. Der Preis für den GT/E war übrigens der gleiche wie für die Berlinetta SWB, das Cabriolet und den California. Nur der GTO war um ein Stück teurer. Die Stückzahlen zeigen dabei, welches Potenzial tatsächlich in der Nische steckte. Dass sie bis heute nur einen Bruchteil ihrer teuren Rennsport-Artgenossen kosten, mussten viele GT/Es mit dem Leben bezahlen, dienten sie doch oft als Basis für GTO-, TR- oder SWB-Repliken. Das hat ihren Bestand bis heute dramatisch reduziert.

Dieses Exemplar der dritten Serie, Chassis 4173GT, wurde laut Ferrari-Historiker Marcel Massini am 28. Jänner 1963 fertig gestellt und an die Mailänder Ferrari-Vertretung M. Castone Crepaldi S.a.s. ausgeliefert. Der GT/E war Grigio Scuro (20152 Italver) und hatte ein Interieur mit Connolly-Leder in Marrone (VM 3104). Der erste Besitzer, an den Crepaldi den Wagen verkaufte, hieß Andolfi und war ebenfalls aus Mailand. Der GT/E übersiedelte anschließend nach Kalifornien und war Anfang der 1970er Jahre bei Don Davis in Long Beach und ein Jahrzehnt später dann bei Tom Milton in Los Angeles. Sein nächster Besitzer, Bruce Whitcher, ebenfalls aus dem Golden State an der Westküste, ließ den Ferrari zu Beginn der 1990er Jahre komplett restaurieren. Ein Ordner voll mit Fotos, Aufzeichnungen und Rechnungen dokumentieren die Arbeiten von damals. Die Karosserie wurde komplett von jeglicher Korrosion befreit und auf blanker Basis im Anschluss in Avorio lackiert. Das braune Leder-Interieur wurde komplett erneuert und die Mechanik von vorne bis hinten überholt. Das Ergebnis wurde 1995 in Pebble Beach mit einem dritten Klassenrang (90 von 100 Punkten) beim vierten Concorso Italiano bei der Quail Lodge prämiert. 1996 nahm er noch einmal in Pebble Beach an einem Concours teil, dieses Mal vom Ferrari Club of America. Eine interessante Randnotiz auf dem Anmeldeformular sei hier nicht unerwähnt. Laut dem entsprachen die Zylinderköpfe der GTO-Spezifikation und der Motor leistete damit am Prüfstand 270 PS.

Vor schließlich 20 Jahren kam der 250 GT/E nach Deutschland zum Einbringer, der seinen Ferrari bis heute hegte und pflegte und ihn schweren Herzens nun in neue Hände weitergibt. Das Interieur präsentiert sich auch dreißig Jahre nach der Restaurierung noch von seiner besten Seite. Wenn man schon etwas zu bemängeln sucht, dann vielleicht die feinen Risse, die da und dort zeigen, dass sich Lack und Untergrund nach drei Jahrzehnten nicht mehr ganz so harmonisch vertragen. Das stört jedoch das Gesamtbild eines wunderschönen Sportwagens, der nach so vielen Jahren nun wieder etwas charmante Patina zeigen darf, nur schwer. Der V12 wusste auch beim Erwachen aus dem Winterschlaf auf Anhieb zu überzeugen. Laut Einbringer hat ihn sein Ferrari in 20 Jahren nicht einmal im Stich gelassen.

Dieser GT/E ist ein richtiges Fahrerauto! Herumstehen sollen andere, dieser will so benutzt werden, wie Enzo Ferrari sich das ausgedacht hatte. Schließlich beweist auch dieser 2+2 noch heute, dass schon damals nichts auch nur annähernd an einen Ferrari heranreichte - ein faszinierendes Automobil: hinreißend schön, elegant und schnell.

Chassis: 4173GT,
Motor: 4173,
Papiere: Deutsche historische Zulassung


Buyers hotline Mon.-Fri.: 10.00am - 4.00pm
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auction: Classic Cars
Date: 15.06.2019 - 15:00
Location: Vösendorf
Exhibition: 13.06. - 15.06.2019