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Lot Nr. 118


Jacopo Zanguidi, gen. Bertoia


Jacopo Zanguidi, gen. Bertoia - Meisterzeichnungen und Druckgraphik bis 1900, Aquarelle, Miniaturen

(Parma 1544-1574) und Girolamo Mirola (Bologna?, um 1530/35-1570 Parma)
Die Heilige Familie mit der Hl. Elisabeth und dem Hl. Johannes dem Täufer, rote Kreide, weiß gehöht, auf Bütten, 15,6 x 9,6 cm, Passep., gerahmt, (Sch)

Provenienz:
Johann Goll von Franckenstein (1722–1785), Amsterdam (Lugt 2987), mit der Nummer “4070”; Robert Prioleau Roupell (1798–1886), London (Lugt 2234); vermutlich Christie’s, London, 12.-14. Juli 1887, Lot 809, als “Parmigianino, Holy Family with Saints”.

Literatur:
Vgl. Figure. Disegni dal Cinquecento all’Ottocento nella Pinacoteca Nazionale di Bologna, Ausst. Kat., Bologna, Pinacoteca Nazionale, Academia di Belle Arti, Mailand 1998, Nr. 12; D. De Grazia, Bertoia, Mirola and the Farnese court, Nuova Alfa, 1991; P. Rosenberg, Venus decouvrant Adonis: un tableau inedit de Jacopo Bertoia, in: Ars naturam adiuvans: Festschrift für Matthis Winner zum II. März 1996, Mainz 1996, S, 296-300; D. Cordellier, Girolamo Mirola o Miruola (Bologna?, um 1530/35 – 1570 Parma, in: Il Cinquecento a Bologna. Disegni dal Louvre e dipinti a confronto, catalogo della mostra, a cura di Marzia Faietti con la collaborazione di Dominique Cordellier (Bologna 18. Mai – 18. August 2002), Mailand 2002, S. 251-252; M.C. Chiusa, Per un catalogo ragionato di Bertoja: un nuovo disegno, in: Belle Arti Saggi di Storia e di Stile, Mailand 2005, S. 63-71.

Gutachten von Dott. Maria Cristina Chiusa liegt vor.

Die vorliegende Zeichnung stellt die Heilige Familie mit Elisabeth und Johannes dem Täufer dar, ein Thema, das zwar nicht in den Evangelien beschrieben ist, sich aber bei den Künstlern des Cinquecento größter Beliebtheit erfreute. Die sorgfältig ausgeführte Zeichnung zeigt eine fein ausbalancierte Komposition und ein präzises Arrangement der einzelnen Figuren. Die hl. Jungfrau im Vordergrund ist in Rückenansicht dargestellt und wendet lediglich ihr Gesicht dem Betrachter zu, hinter ihr erscheint die hl. Elisabeth und zwischen den beiden Müttern die sich umarmenden Kinder Jesus und Johannes der Täufer, die mit ihrer Geste an die Heimsuchung und die bevorstehende Episode der Taufe erinnern. Über der hl. Jungfrau erscheint der hl. Joseph am linken mittleren Bildrand, er steht damit außerhalb der Hauptszene, wie es die ikonographische Tradition erforderte. Im Hintergrund erscheinen mehrere Figuren zwischen antiken Säulen, hinter denen sich der Blick auf die dahinterliegende Landschaft öffnet.

Der Künstler setzte die Szene mit roter Kreide und zarten Weißhöhungen um, die präzise Ausführung und das kleine Bildformat deuten darauf hin, dass es sich eventuell um ein Auftragswerk handeln könnte, das speziell für einen Sammler angefertigt wurde. Die Figuren erscheinen in voller Draperie deren Faltenwurf meisterlich umgesetzt ist, ihre Anatomie ist langgestreckt und die sorgfältig studierten und präzise ausbalancierten Posten erscheinen in größter Eleganz. Die anmutige und grazile Darstellung der Figuren und die technisch feine Ausführung der vorliegenden Zeichnung lassen an einen Künstler aus dem Umkreis von Francesco Mazzola gen. Parmigianino denken. Noch präziser lässt sich das vorliegende Blatt mit dem Werk von Jacopo Zanguidi, gen. Bertoia (Parma 1544-1573) und Girolamo Mirola (Bologna? 1530/35 - ca. 1570 Parma) in Verbindung bringen, ein Künstlerpaar welches in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts gemeinsam für Ottavio Farnese in Parma für den Palazzo del Giardino tätig war. Das Werk der beiden Künstler wurde in den letzten zwei Jahrzehnten in Beiträgen von P. Rosenberg, D. Cordellier und M.C. Chiusa sowie zuletzt in der der Monografie von D. De Grazia untersucht (siehe Literatur).

Über das Leben von Bertoja ist nur wenig bekannt, er wurde vier Jahre nach Parmigianinos Tod geboren und war wie er ein hervorragender und unermüdlicher Zeichner. Bertoja verbrachte seine kurze Karriere in Parma und Rom, wo er vor allem für seine beiden wichtigsten Auftraggeber Alessandro und Ottavio Farnese tätig war. Für Alessandro dekorierte er das Oratorium der Bruderschaft der Gonfalone in Rom, für Ottavio schuf er eine Freskenserie im Palazzo del Giardino in Parma und in dem von Vignola erbauten Palazzo Farnese in Caprarola. Dort hatte der Künstler die Gelegenheit zum Austausch mit seinen toskanischen, römischen und flämischen Kollegen, vor allem mit Spranger, den er vermutlich schon in Parma kennengelernt hatte.

Der Zeichenstil von Girolamo Mirola wurde zweifellos von seinen Zeitgenossen Pellegrino Tibaldi (um 1527/32 – 1592/96) und Giovan Francesco Bezzi, il Nosadella (1530-1571) beeinflusst, die neben Primaticcio in Fontainebleau tätig waren.

Der große Corpus an Zeichnungen und Gemälden von Bertoja und Mirola ermöglicht im Vergleich mit der vorliegenden Zeichnung eine Einordnung des Blattes in das Ouevre der beiden Künstler. Die Gruppe der Heiligen Familie mit dem Johannesknaben und der hl. Elisabeth ist vergleichbar mit einem ähnlichen, wenn auch ikonographisch unterschiedlichen Gemälde der „Geburt Christi“ in der Fondazione Cini in Venedig, welches heute als Werk von Bertoja gilt und davor an Parmigianino, Bertoija und Girolamo Bedoli zugeschrieben war. Vor allem in der Darstellung der Figuren, den Draperien, den Gesten und der fantastischen Architektur im Hintergrund erinnert es an den Meister.

Dennoch sind in der vorliegenden Zeichnung im Faltenwurf der Maria, der Figur des Joseph und des Hirten auch Ähnlichkeiten mit dem Werk von Girolamo Mirola zu erkennen, der in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts gemeinsam mit Bertoja an den Fresken der Residenz des Ottavio arbeitete. Die Figur des Joseph und des Hirten erinnert zudem an eine Zeichnung von Girolamo Mirola mit einer Studie zu „Sich umarmende weibliche Figuren“ im Metropolitan Museum in New York (D. De Grazia, Bertoija, Mirola and the Farnese Court, Nuova Alfa 1991, Mirola Kat. D6, Fig. 102). Es gibt viele weitere Beispiele in denen die Nähe des vorliegenden Werkes zu Bertoja zu erkennen ist, wie etwa dem Gemälde mit dem „Einzug in Jerusalem“ in der Galleria Nazionale in Parma sowie einem Fresko mit ähnlichem Thema im Oratorium von Gonfalone. Dort sind einige Übereinstimmungen mit der Formensprache von Bertoja, vor allem in der Figur des Christus zu erkennen. Auch in der Zeichnung mit der „Madonna mit Kind und Heiligen“ in der Sammlung des Herzog Roberto Ferretti in London finden sich Analogien mit der Figur der hl. Jungfrau und dem Christuskind (De Grazia 1991, Bertoja Kat. D80, Fig. 187). Die Beispiele ließen sich weiter fortsetzen.

Auch wenn das Werk heute nicht punktgenau dem malerischen Werk von Bertoja und Mirola zugeordnet werden kann, so lässt sich feststellen, dass die Zeichnung in vielen Details die Handschrift von Bertoija trägt, der die Zeichnung seines Schülers Miorla vermutlich in einigen Elementen überarbeitet hat. Dott. Anna Maria Chiusa schlägt daher eine Datierung der vorliegenden Zeichnung gegen Ende der siebziger Jahr des 16. Jahrhunderts, zwischen 1569-1570 vor.

Wir danken Dott. Maria Cristina Chiusa für die wissenschaftliche Unterstützung in der Katalogisierung der vorliegenden Zeichnung.

Expertin: Mag. Astrid-Christina Schierz Mag. Astrid-Christina Schierz
+43-1-515 60-546

astrid.schierz@dorotheum.at

27.03.2018 - 17:00

Erzielter Preis: **
EUR 15.000,-
Schätzwert:
EUR 12.000,- bis EUR 15.000,-
Rufpreis:
EUR 0,-

Jacopo Zanguidi, gen. Bertoia


(Parma 1544-1574) und Girolamo Mirola (Bologna?, um 1530/35-1570 Parma)
Die Heilige Familie mit der Hl. Elisabeth und dem Hl. Johannes dem Täufer, rote Kreide, weiß gehöht, auf Bütten, 15,6 x 9,6 cm, Passep., gerahmt, (Sch)

Provenienz:
Johann Goll von Franckenstein (1722–1785), Amsterdam (Lugt 2987), mit der Nummer “4070”; Robert Prioleau Roupell (1798–1886), London (Lugt 2234); vermutlich Christie’s, London, 12.-14. Juli 1887, Lot 809, als “Parmigianino, Holy Family with Saints”.

Literatur:
Vgl. Figure. Disegni dal Cinquecento all’Ottocento nella Pinacoteca Nazionale di Bologna, Ausst. Kat., Bologna, Pinacoteca Nazionale, Academia di Belle Arti, Mailand 1998, Nr. 12; D. De Grazia, Bertoia, Mirola and the Farnese court, Nuova Alfa, 1991; P. Rosenberg, Venus decouvrant Adonis: un tableau inedit de Jacopo Bertoia, in: Ars naturam adiuvans: Festschrift für Matthis Winner zum II. März 1996, Mainz 1996, S, 296-300; D. Cordellier, Girolamo Mirola o Miruola (Bologna?, um 1530/35 – 1570 Parma, in: Il Cinquecento a Bologna. Disegni dal Louvre e dipinti a confronto, catalogo della mostra, a cura di Marzia Faietti con la collaborazione di Dominique Cordellier (Bologna 18. Mai – 18. August 2002), Mailand 2002, S. 251-252; M.C. Chiusa, Per un catalogo ragionato di Bertoja: un nuovo disegno, in: Belle Arti Saggi di Storia e di Stile, Mailand 2005, S. 63-71.

Gutachten von Dott. Maria Cristina Chiusa liegt vor.

Die vorliegende Zeichnung stellt die Heilige Familie mit Elisabeth und Johannes dem Täufer dar, ein Thema, das zwar nicht in den Evangelien beschrieben ist, sich aber bei den Künstlern des Cinquecento größter Beliebtheit erfreute. Die sorgfältig ausgeführte Zeichnung zeigt eine fein ausbalancierte Komposition und ein präzises Arrangement der einzelnen Figuren. Die hl. Jungfrau im Vordergrund ist in Rückenansicht dargestellt und wendet lediglich ihr Gesicht dem Betrachter zu, hinter ihr erscheint die hl. Elisabeth und zwischen den beiden Müttern die sich umarmenden Kinder Jesus und Johannes der Täufer, die mit ihrer Geste an die Heimsuchung und die bevorstehende Episode der Taufe erinnern. Über der hl. Jungfrau erscheint der hl. Joseph am linken mittleren Bildrand, er steht damit außerhalb der Hauptszene, wie es die ikonographische Tradition erforderte. Im Hintergrund erscheinen mehrere Figuren zwischen antiken Säulen, hinter denen sich der Blick auf die dahinterliegende Landschaft öffnet.

Der Künstler setzte die Szene mit roter Kreide und zarten Weißhöhungen um, die präzise Ausführung und das kleine Bildformat deuten darauf hin, dass es sich eventuell um ein Auftragswerk handeln könnte, das speziell für einen Sammler angefertigt wurde. Die Figuren erscheinen in voller Draperie deren Faltenwurf meisterlich umgesetzt ist, ihre Anatomie ist langgestreckt und die sorgfältig studierten und präzise ausbalancierten Posten erscheinen in größter Eleganz. Die anmutige und grazile Darstellung der Figuren und die technisch feine Ausführung der vorliegenden Zeichnung lassen an einen Künstler aus dem Umkreis von Francesco Mazzola gen. Parmigianino denken. Noch präziser lässt sich das vorliegende Blatt mit dem Werk von Jacopo Zanguidi, gen. Bertoia (Parma 1544-1573) und Girolamo Mirola (Bologna? 1530/35 - ca. 1570 Parma) in Verbindung bringen, ein Künstlerpaar welches in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts gemeinsam für Ottavio Farnese in Parma für den Palazzo del Giardino tätig war. Das Werk der beiden Künstler wurde in den letzten zwei Jahrzehnten in Beiträgen von P. Rosenberg, D. Cordellier und M.C. Chiusa sowie zuletzt in der der Monografie von D. De Grazia untersucht (siehe Literatur).

Über das Leben von Bertoja ist nur wenig bekannt, er wurde vier Jahre nach Parmigianinos Tod geboren und war wie er ein hervorragender und unermüdlicher Zeichner. Bertoja verbrachte seine kurze Karriere in Parma und Rom, wo er vor allem für seine beiden wichtigsten Auftraggeber Alessandro und Ottavio Farnese tätig war. Für Alessandro dekorierte er das Oratorium der Bruderschaft der Gonfalone in Rom, für Ottavio schuf er eine Freskenserie im Palazzo del Giardino in Parma und in dem von Vignola erbauten Palazzo Farnese in Caprarola. Dort hatte der Künstler die Gelegenheit zum Austausch mit seinen toskanischen, römischen und flämischen Kollegen, vor allem mit Spranger, den er vermutlich schon in Parma kennengelernt hatte.

Der Zeichenstil von Girolamo Mirola wurde zweifellos von seinen Zeitgenossen Pellegrino Tibaldi (um 1527/32 – 1592/96) und Giovan Francesco Bezzi, il Nosadella (1530-1571) beeinflusst, die neben Primaticcio in Fontainebleau tätig waren.

Der große Corpus an Zeichnungen und Gemälden von Bertoja und Mirola ermöglicht im Vergleich mit der vorliegenden Zeichnung eine Einordnung des Blattes in das Ouevre der beiden Künstler. Die Gruppe der Heiligen Familie mit dem Johannesknaben und der hl. Elisabeth ist vergleichbar mit einem ähnlichen, wenn auch ikonographisch unterschiedlichen Gemälde der „Geburt Christi“ in der Fondazione Cini in Venedig, welches heute als Werk von Bertoja gilt und davor an Parmigianino, Bertoija und Girolamo Bedoli zugeschrieben war. Vor allem in der Darstellung der Figuren, den Draperien, den Gesten und der fantastischen Architektur im Hintergrund erinnert es an den Meister.

Dennoch sind in der vorliegenden Zeichnung im Faltenwurf der Maria, der Figur des Joseph und des Hirten auch Ähnlichkeiten mit dem Werk von Girolamo Mirola zu erkennen, der in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts gemeinsam mit Bertoja an den Fresken der Residenz des Ottavio arbeitete. Die Figur des Joseph und des Hirten erinnert zudem an eine Zeichnung von Girolamo Mirola mit einer Studie zu „Sich umarmende weibliche Figuren“ im Metropolitan Museum in New York (D. De Grazia, Bertoija, Mirola and the Farnese Court, Nuova Alfa 1991, Mirola Kat. D6, Fig. 102). Es gibt viele weitere Beispiele in denen die Nähe des vorliegenden Werkes zu Bertoja zu erkennen ist, wie etwa dem Gemälde mit dem „Einzug in Jerusalem“ in der Galleria Nazionale in Parma sowie einem Fresko mit ähnlichem Thema im Oratorium von Gonfalone. Dort sind einige Übereinstimmungen mit der Formensprache von Bertoja, vor allem in der Figur des Christus zu erkennen. Auch in der Zeichnung mit der „Madonna mit Kind und Heiligen“ in der Sammlung des Herzog Roberto Ferretti in London finden sich Analogien mit der Figur der hl. Jungfrau und dem Christuskind (De Grazia 1991, Bertoja Kat. D80, Fig. 187). Die Beispiele ließen sich weiter fortsetzen.

Auch wenn das Werk heute nicht punktgenau dem malerischen Werk von Bertoja und Mirola zugeordnet werden kann, so lässt sich feststellen, dass die Zeichnung in vielen Details die Handschrift von Bertoija trägt, der die Zeichnung seines Schülers Miorla vermutlich in einigen Elementen überarbeitet hat. Dott. Anna Maria Chiusa schlägt daher eine Datierung der vorliegenden Zeichnung gegen Ende der siebziger Jahr des 16. Jahrhunderts, zwischen 1569-1570 vor.

Wir danken Dott. Maria Cristina Chiusa für die wissenschaftliche Unterstützung in der Katalogisierung der vorliegenden Zeichnung.

Expertin: Mag. Astrid-Christina Schierz Mag. Astrid-Christina Schierz
+43-1-515 60-546

astrid.schierz@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 17.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Meisterzeichnungen und Druckgraphik bis 1900, Aquarelle, Miniaturen
Datum: 27.03.2018 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.03. - 27.03.2018


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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