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Lot Nr. 117


École de Fontainebleau und Francesco Primaticcio Schule


École de Fontainebleau und Francesco Primaticcio Schule - Meisterzeichnungen und Druckgraphik bis 1900, Aquarelle, Miniaturen

(um 1560)
Mythologische Szene, wohl Entwurf für eine Freskendekoration, Feder und Pinsel in brauner Tusche, braun laviert, weiß gehöht, mit schwarzer Kreide quadriert, 24,5 x 29 cm, gebräunt, etwas fleckig, Riss in der linken Blatthälfte, Passep., ohne Rahmen, (Sch)

Provenienz:
Sammlung Alfred von Wurzbach-Tannenberg (1845–1915), Wien, Lugt 2587; Privatsammlung, Österreich.

Literatur:
D. Cordellier, Primatice Maître de Fontainebleau, Ausst. Kat. Paris, Louvre, 23. September 2004 – 3. Jänner 2005, Paris 2004.

Die vorliegende Zeichnung stellt vermutlich eine Szene aus der Odyssee dar, wenn auch der schlechte Erhaltungszustand des Blattes die Lesbarkeit der Komposition erschwert. Die weibliche Figur im Zentrum der Zeichnung mit einem Tier, vermutlich ein Widder und die männlichen Figuren in antiker Kleidung könnten auf Circe, Odysseus und ihre Gefährten anspielen. Der graphische Stil und die Formensprache der Köpfe verweisen auf den Umkreis von Francesco Primaticcio (Bologna 1504-1570 Paris). Bekanntlich hatte Primaticcio in Fontainebleau die Aufgabe, die Residenz des Königs, die als „neues Rom“ betrachtet wurde, umzugestalten.
Primaticcio, Schüler von Giulio Romano, Kollege und dann Erbe von Rosso Fiorentino in Fontainebleau, war für das gesamte dekorative Projekt des Hofes verantwortlich, in dem er die Formensprache des Manierismus mit den Einflüssen der französischen Renaissance verband. Unter Francesco I wurden die Umgestaltung der Galleria d’Ulisse begonnen (die bis zu seinem Tod unvollendet blieb), Feste und Maskenspiele veranstaltet, zusätzliche Dekorationen für die gesamte Galleria Bassa der Appartements und des graphischen Kabinetts geschaffen. Primaticcio, der für die verschiedenen Bereiche der figurativen Gestaltung verantwortlich war, schuf für den König ein anspruchsvolles höfisches Programm, inspiriert durch den Versuch die antike Mythologie in einem eleganten und raffinierten Stil neu zu beleben. Primaticcio zog für die Umsetzung des Programms zahlreiche Künstler, vor allem aus Bologna hinzu. Unter ihnen befanden sich auch Ruggiero de’Ruggieri, Vignola e Bagnacavallo Junior und Nicolò dell’Abate, welcher Primaticcio ab 1522 bei der Dekoration des Ballsaales zur Seite stand.

Nach einer gängigen Praxis wurden die zahlreichen Zeichnungen der verschiedenen Genres zur Ausführung an französische und italienische Künstler übertragen, die in den dekorativen Techniken, die es zur Umsetzung benötigte, spezialisiert waren. Unter den Künstler, die etwa für den Brunnen der Pomona dokumentiert sind, befanden sich: Claude Badouin, Luca Penni, Charles Carmoy, Francesco Caccianemici, Giovanni Battista Ramenghi junior, detto Bagnacavallo und Bartolomeo da Miniato.

In den späten sechziger Jahren des 16. Jahrhundert war es Brauch, die Entwürfe von Primaticcio in Gemälderepliken kopieren. Dazu zählen die Kopien nach den Fresken der „Odyssee“ in der großen Galerie von Fontainebleau und jene von Ruggiero de‘ Ruggeri, der in seinem an Pellegrino Tibaldi angelehnten Stil sowie den Chiaroscuro-Effekten den graphischen Entwurf von Primaticcio gut übersetzte.

Die vorliegende Zeichnung entstand vermutlich in Zusammenhang mit den Fresken zur Geschichte des Odysseus, die auch durch Kopien und Kupferstiche überliefert waren und kann wohl einem Künstler aus dem weiten Umfeld von Primaticcio der späten sechziger Jahre des 16. Jahrhunderts gegeben werden.

Wir danken Dott. Maria Cristina Chiusa für die wissenschaftliche Unterstützung in der Katalogisierung der vorliegenden Zeichnung.

Expertin: Mag. Astrid-Christina Schierz Mag. Astrid-Christina Schierz
+43-1-515 60-546

astrid.schierz@dorotheum.at

27.03.2018 - 17:00

Schätzwert:
EUR 3.000,- bis EUR 4.000,-
Rufpreis:
EUR 0,-

École de Fontainebleau und Francesco Primaticcio Schule


(um 1560)
Mythologische Szene, wohl Entwurf für eine Freskendekoration, Feder und Pinsel in brauner Tusche, braun laviert, weiß gehöht, mit schwarzer Kreide quadriert, 24,5 x 29 cm, gebräunt, etwas fleckig, Riss in der linken Blatthälfte, Passep., ohne Rahmen, (Sch)

Provenienz:
Sammlung Alfred von Wurzbach-Tannenberg (1845–1915), Wien, Lugt 2587; Privatsammlung, Österreich.

Literatur:
D. Cordellier, Primatice Maître de Fontainebleau, Ausst. Kat. Paris, Louvre, 23. September 2004 – 3. Jänner 2005, Paris 2004.

Die vorliegende Zeichnung stellt vermutlich eine Szene aus der Odyssee dar, wenn auch der schlechte Erhaltungszustand des Blattes die Lesbarkeit der Komposition erschwert. Die weibliche Figur im Zentrum der Zeichnung mit einem Tier, vermutlich ein Widder und die männlichen Figuren in antiker Kleidung könnten auf Circe, Odysseus und ihre Gefährten anspielen. Der graphische Stil und die Formensprache der Köpfe verweisen auf den Umkreis von Francesco Primaticcio (Bologna 1504-1570 Paris). Bekanntlich hatte Primaticcio in Fontainebleau die Aufgabe, die Residenz des Königs, die als „neues Rom“ betrachtet wurde, umzugestalten.
Primaticcio, Schüler von Giulio Romano, Kollege und dann Erbe von Rosso Fiorentino in Fontainebleau, war für das gesamte dekorative Projekt des Hofes verantwortlich, in dem er die Formensprache des Manierismus mit den Einflüssen der französischen Renaissance verband. Unter Francesco I wurden die Umgestaltung der Galleria d’Ulisse begonnen (die bis zu seinem Tod unvollendet blieb), Feste und Maskenspiele veranstaltet, zusätzliche Dekorationen für die gesamte Galleria Bassa der Appartements und des graphischen Kabinetts geschaffen. Primaticcio, der für die verschiedenen Bereiche der figurativen Gestaltung verantwortlich war, schuf für den König ein anspruchsvolles höfisches Programm, inspiriert durch den Versuch die antike Mythologie in einem eleganten und raffinierten Stil neu zu beleben. Primaticcio zog für die Umsetzung des Programms zahlreiche Künstler, vor allem aus Bologna hinzu. Unter ihnen befanden sich auch Ruggiero de’Ruggieri, Vignola e Bagnacavallo Junior und Nicolò dell’Abate, welcher Primaticcio ab 1522 bei der Dekoration des Ballsaales zur Seite stand.

Nach einer gängigen Praxis wurden die zahlreichen Zeichnungen der verschiedenen Genres zur Ausführung an französische und italienische Künstler übertragen, die in den dekorativen Techniken, die es zur Umsetzung benötigte, spezialisiert waren. Unter den Künstler, die etwa für den Brunnen der Pomona dokumentiert sind, befanden sich: Claude Badouin, Luca Penni, Charles Carmoy, Francesco Caccianemici, Giovanni Battista Ramenghi junior, detto Bagnacavallo und Bartolomeo da Miniato.

In den späten sechziger Jahren des 16. Jahrhundert war es Brauch, die Entwürfe von Primaticcio in Gemälderepliken kopieren. Dazu zählen die Kopien nach den Fresken der „Odyssee“ in der großen Galerie von Fontainebleau und jene von Ruggiero de‘ Ruggeri, der in seinem an Pellegrino Tibaldi angelehnten Stil sowie den Chiaroscuro-Effekten den graphischen Entwurf von Primaticcio gut übersetzte.

Die vorliegende Zeichnung entstand vermutlich in Zusammenhang mit den Fresken zur Geschichte des Odysseus, die auch durch Kopien und Kupferstiche überliefert waren und kann wohl einem Künstler aus dem weiten Umfeld von Primaticcio der späten sechziger Jahre des 16. Jahrhunderts gegeben werden.

Wir danken Dott. Maria Cristina Chiusa für die wissenschaftliche Unterstützung in der Katalogisierung der vorliegenden Zeichnung.

Expertin: Mag. Astrid-Christina Schierz Mag. Astrid-Christina Schierz
+43-1-515 60-546

astrid.schierz@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 17.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Meisterzeichnungen und Druckgraphik bis 1900, Aquarelle, Miniaturen
Datum: 27.03.2018 - 17:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 17.03. - 27.03.2018