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Lot Nr. 1299


Friedrich von Amerling


Friedrich von Amerling - Gemälde des 19. Jahrhunderts

(Wien 1803–1887) Joseph Amerling als Knabe, signiert, datiert (geritzt) Fr. Amerling 1830, Öl auf Leinwand, 41,2 x 34,5 cm, gerahmt, (Rei)

Verzeichnet in:
Günther Probszt, Friedrich von Amerling, Wien 1927, S.114, Nr. 190.

Provenienz:
Baron Heinrich Ferstel, Wien,
direkter Familienbesitz.

Josef Amerling, der Bruder des Malers Friedrich von Amerling war einer der beiden Brüder des Malers Friedrich Amerling.
Er wurde 1818 geboren, war also um Vieles jünger als der Künstler. Als Friedrich Amerling im September 1828 von seinem ausgedehnten Aufenthalt in London und Paris zurückkehrte, war Josef gerade zehn Jahre alt und ob seines hübschen Aussehens ein sehr gerne verwendetes Modell des älteren Bruders. Dieses ist deshalb erwähnenswert, weil der Wiener Maler durch seinen Aufenthalt in London gerade in der Darstellung von Kindern eine enorme Sensibilität entwickelt hatte. Angesichts der Werke von Sir Thomas Lawrence (1769-1830) und Sir Henry Raeburn (1756-1823) sowie von deren Vorgängern Sir Joshua Reynolds (1732-1792) und Thomas Gainsborough (1727-1788) war es ihm ein Anliegen gewesen, die englische Porträttradition mit seiner persönlichen Auffassung von Kunst und seinen eigenen künstlerischen Fähigkeiten in Einklang zu bringen. Die Folge daraus ist der besondere Stil, den Amerlings Werke auszeichnen, die enorme Lebensnähe der dargestellten Personen, sowie die ungemeine Attraktivität und farbliche Brillanz seiner Bilder. Auffallend ist zudem, dass Amerling Kinder wie Erwachsene behandelte, also ihre Individualität betonte und ihre Persönlichkeit herausschälte. In jedem seiner Porträts suchte er über eine ausgeklügelte Lichtregie die Figur besonders kostbar erscheinen zu lassen, daneben trachtete er nach einer ausgewogenen Komposition. Mit dem geschmackvollen Ambiente, das bisweilen durch schwere Draperien, Landschaftsausblicke oder einem wolkenverhangenen Himmel bereichert wird, bewies Amerling sein feines Empfinden für die Schönheit, für die Melodie der Linie und die Wirkung der Farbe.

Diese neue Form von Bildnismalerei ließ Amerling in der Kaiserstadt sehr bald zu einem gefragten Künstler werden. Den endgültigen Durchbruch schaffte er dann 1832, als Kaiser Franz I.(II.) von ihm gemalt werden wollte. Der Wunsch ereilte ihn in Rom. Stante pede kehrte er nach Wien zurück und begründete mit dem Bild „Kaiser Franz I. von Österreich im Österreichischen Kaiserornat“ (1832, Wien, Kunsthistorisches Museum) seinen Erfolg. Zahlreiche Aufträge vom Adel und von Vertretern des gehobenen Bürgertums waren die Folge, ab nun war Amerling der „fashionabelste“ Maler in Wien.

Daneben fand der Maler auch die Muße, seine Fähigkeiten an Modellen aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis zu erproben. So finden sich im Werkverzeichnis ab dem Jahre 1828 zahlreiche Namen von Künstlerfreunden und Familienmitgliedern, darunter auch Bilder vom Bruder Josef. Einmal ist der Knabe vor einer Landschaft sitzend zu sehen (1828, WV-Nr. 150), weitere Bilder zeigen ihn im Profil mit einer Kappe auf dem Kopf (1829, WV-Nr. 154) oder als „faulen Studenten“ (1830, WV-Nr. 193, Abb. 1). Josef ist auch der berühmte „Fischerknabe“, der am Ufer eines Gewässers ruht und durch seine Verkleidung ganz in der Tradition des englischen Rollenporträts steht (1830, WV-Nr. 191, Abb. 2). Weitere Bilder zeigen das Kind in eleganter Tageskleidung mit einer blauen Jacke aus Tuch: einmal als Brustbild von vorne (1830, WV-Nr. 164), ein andermal mit nach oben gerichtetem Blick (1830, WV-Nr. 190, Abb. 3). Letzteres ist in kompositorischer Hinsicht interessant, denn der Oberkörper ist von leicht hinten, das Antlitz des Knaben aber im Dreiviertelprofil zu sehen. Die Haut ist mit zarten Lasuren herausgearbeitet, wobei ein Hauch von Blaugrau Stirn und Wangen umweht und damit dem Gesicht Form verleiht. Modellierende Funktion erfüllen auch die Glanzlichter auf Nase und Lippen, dagegen verleihen die weißen Farbtupfer in den Augen dem Gesicht einen verträumt-schwärmerischen Ausdruck. Die braune Untermalung der Haare ist vor allem im vorderen Bereich des Kopfes durch eine Vielzahl von zarten Pinselstrichen in unterschiedlicher Färbung bedeckt, hell aufflammende Strähnen sorgen dabei für eine lebendige Wirkung. Im Gegensatz dazu ist die Kleidung weniger genau ausgeführt, zügige Pinselstriche in hellem und dunklem Blau reichen aus, um dem Rock Form zu geben, ähnlich verhält es sich beim weißen Kragen des Hemdes. Damit handelt es sich im Übrigen um ein bewährtes Stilmittel von Amerling, vermochte er doch damit den Blick der Betrachter auf das Antlitz des Dargestellten zu konzentrieren.
Josef Amerling war an Kunst sehr interessiert und auch selbst musisch begabt. Trotzdem schlug er die Militärlaufbahn ein. Sein Leben lang nahm er großen Anteil am Fortgang seines malenden Bruders, durch einen 1879 verfassten Lebensbericht sind wir heute über die Kindheit und die wichtigsten Stationen der Karriere von Friedrich von Amerling unterrichtet. Josef Amerling starb zwei Jahre vor seinem Bruder, 1885, im 68. Lebensjahr.
Dr. Sabine Grabner

Verwendete Literatur:
C. Amerling (= Josef Amerling), Friedrich Amerling, in: Heinrich Kábdebo (Hg.), Oesterreichische Kunst-Chronik 2, Nr. 6, 15. 7. 1879, S. 81-89
Ludwig August Frankl, Friedrich von Amerling. Ein Lebensbild, Wien-Pest-Leipzig 1889
Günther Probszt, Friedrich von Amerling.
Der Altmeister der Wiener Porträtmalerei, Zürich-Leipzig-Wien 1927 (mit Werkverzeichnis)
Sabine Grabner (Hg.), Friedrich von Amerling. 1803-1887, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, Leipzig 2003

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at

16.10.2013 - 18:00

Erzielter Preis: **
EUR 46.660,-
Schätzwert:
EUR 15.000,- bis EUR 20.000,-

Friedrich von Amerling


(Wien 1803–1887) Joseph Amerling als Knabe, signiert, datiert (geritzt) Fr. Amerling 1830, Öl auf Leinwand, 41,2 x 34,5 cm, gerahmt, (Rei)

Verzeichnet in:
Günther Probszt, Friedrich von Amerling, Wien 1927, S.114, Nr. 190.

Provenienz:
Baron Heinrich Ferstel, Wien,
direkter Familienbesitz.

Josef Amerling, der Bruder des Malers Friedrich von Amerling war einer der beiden Brüder des Malers Friedrich Amerling.
Er wurde 1818 geboren, war also um Vieles jünger als der Künstler. Als Friedrich Amerling im September 1828 von seinem ausgedehnten Aufenthalt in London und Paris zurückkehrte, war Josef gerade zehn Jahre alt und ob seines hübschen Aussehens ein sehr gerne verwendetes Modell des älteren Bruders. Dieses ist deshalb erwähnenswert, weil der Wiener Maler durch seinen Aufenthalt in London gerade in der Darstellung von Kindern eine enorme Sensibilität entwickelt hatte. Angesichts der Werke von Sir Thomas Lawrence (1769-1830) und Sir Henry Raeburn (1756-1823) sowie von deren Vorgängern Sir Joshua Reynolds (1732-1792) und Thomas Gainsborough (1727-1788) war es ihm ein Anliegen gewesen, die englische Porträttradition mit seiner persönlichen Auffassung von Kunst und seinen eigenen künstlerischen Fähigkeiten in Einklang zu bringen. Die Folge daraus ist der besondere Stil, den Amerlings Werke auszeichnen, die enorme Lebensnähe der dargestellten Personen, sowie die ungemeine Attraktivität und farbliche Brillanz seiner Bilder. Auffallend ist zudem, dass Amerling Kinder wie Erwachsene behandelte, also ihre Individualität betonte und ihre Persönlichkeit herausschälte. In jedem seiner Porträts suchte er über eine ausgeklügelte Lichtregie die Figur besonders kostbar erscheinen zu lassen, daneben trachtete er nach einer ausgewogenen Komposition. Mit dem geschmackvollen Ambiente, das bisweilen durch schwere Draperien, Landschaftsausblicke oder einem wolkenverhangenen Himmel bereichert wird, bewies Amerling sein feines Empfinden für die Schönheit, für die Melodie der Linie und die Wirkung der Farbe.

Diese neue Form von Bildnismalerei ließ Amerling in der Kaiserstadt sehr bald zu einem gefragten Künstler werden. Den endgültigen Durchbruch schaffte er dann 1832, als Kaiser Franz I.(II.) von ihm gemalt werden wollte. Der Wunsch ereilte ihn in Rom. Stante pede kehrte er nach Wien zurück und begründete mit dem Bild „Kaiser Franz I. von Österreich im Österreichischen Kaiserornat“ (1832, Wien, Kunsthistorisches Museum) seinen Erfolg. Zahlreiche Aufträge vom Adel und von Vertretern des gehobenen Bürgertums waren die Folge, ab nun war Amerling der „fashionabelste“ Maler in Wien.

Daneben fand der Maler auch die Muße, seine Fähigkeiten an Modellen aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis zu erproben. So finden sich im Werkverzeichnis ab dem Jahre 1828 zahlreiche Namen von Künstlerfreunden und Familienmitgliedern, darunter auch Bilder vom Bruder Josef. Einmal ist der Knabe vor einer Landschaft sitzend zu sehen (1828, WV-Nr. 150), weitere Bilder zeigen ihn im Profil mit einer Kappe auf dem Kopf (1829, WV-Nr. 154) oder als „faulen Studenten“ (1830, WV-Nr. 193, Abb. 1). Josef ist auch der berühmte „Fischerknabe“, der am Ufer eines Gewässers ruht und durch seine Verkleidung ganz in der Tradition des englischen Rollenporträts steht (1830, WV-Nr. 191, Abb. 2). Weitere Bilder zeigen das Kind in eleganter Tageskleidung mit einer blauen Jacke aus Tuch: einmal als Brustbild von vorne (1830, WV-Nr. 164), ein andermal mit nach oben gerichtetem Blick (1830, WV-Nr. 190, Abb. 3). Letzteres ist in kompositorischer Hinsicht interessant, denn der Oberkörper ist von leicht hinten, das Antlitz des Knaben aber im Dreiviertelprofil zu sehen. Die Haut ist mit zarten Lasuren herausgearbeitet, wobei ein Hauch von Blaugrau Stirn und Wangen umweht und damit dem Gesicht Form verleiht. Modellierende Funktion erfüllen auch die Glanzlichter auf Nase und Lippen, dagegen verleihen die weißen Farbtupfer in den Augen dem Gesicht einen verträumt-schwärmerischen Ausdruck. Die braune Untermalung der Haare ist vor allem im vorderen Bereich des Kopfes durch eine Vielzahl von zarten Pinselstrichen in unterschiedlicher Färbung bedeckt, hell aufflammende Strähnen sorgen dabei für eine lebendige Wirkung. Im Gegensatz dazu ist die Kleidung weniger genau ausgeführt, zügige Pinselstriche in hellem und dunklem Blau reichen aus, um dem Rock Form zu geben, ähnlich verhält es sich beim weißen Kragen des Hemdes. Damit handelt es sich im Übrigen um ein bewährtes Stilmittel von Amerling, vermochte er doch damit den Blick der Betrachter auf das Antlitz des Dargestellten zu konzentrieren.
Josef Amerling war an Kunst sehr interessiert und auch selbst musisch begabt. Trotzdem schlug er die Militärlaufbahn ein. Sein Leben lang nahm er großen Anteil am Fortgang seines malenden Bruders, durch einen 1879 verfassten Lebensbericht sind wir heute über die Kindheit und die wichtigsten Stationen der Karriere von Friedrich von Amerling unterrichtet. Josef Amerling starb zwei Jahre vor seinem Bruder, 1885, im 68. Lebensjahr.
Dr. Sabine Grabner

Verwendete Literatur:
C. Amerling (= Josef Amerling), Friedrich Amerling, in: Heinrich Kábdebo (Hg.), Oesterreichische Kunst-Chronik 2, Nr. 6, 15. 7. 1879, S. 81-89
Ludwig August Frankl, Friedrich von Amerling. Ein Lebensbild, Wien-Pest-Leipzig 1889
Günther Probszt, Friedrich von Amerling.
Der Altmeister der Wiener Porträtmalerei, Zürich-Leipzig-Wien 1927 (mit Werkverzeichnis)
Sabine Grabner (Hg.), Friedrich von Amerling. 1803-1887, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, Leipzig 2003

Expertin: Mag. Dimitra Reimüller Mag. Dimitra Reimüller
+43-1-515 60-355

19c.paintings@dorotheum.at


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 09.00 - 18.00
kundendienst@dorotheum.at

+43 1 515 60 200
Auktion: Gemälde des 19. Jahrhunderts
Datum: 16.10.2013 - 18:00
Auktionsort: Wien | Palais Dorotheum
Besichtigung: 05.10. - 16.10.2013


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

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