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Lot Nr. 76 V


1937 Puch 800


Das österreichische Jahrhundertmotorrad
Eine von nur 550 gebauten Puch 800
Wunderschön restauriert


Die Puch 800 war das hubraumstärkste Motorrad der Steyr-Daimler-Puch AG. Sie wurde von 1936 bis 1938 gefertigt und zwar genau 550 mal. Spricht schon die geringe Stückzahl für den Ausnahmestatus, so tut es die technische Ausführung erst recht. Die lauten Rufe der Heeresverwaltung nach einem militärisch tauglichen Beiwagenmodell aus inländischer Produktion wurden letztendlich von Puch mit der Erprobung eines 750 ccm Zweizylinder Boxer erhört, der aber wegen zu starker Vibrationen nicht überzeugen konnte.

Giovanni Marcellino legte mit einem 4-Zylinder-Entwurf nach. Wieder ein Boxer, dessen Zylinderblöcke sich aber nicht wie üblich im 180 Grad Winkel gegenüberliegen, denn beide Zylinderblöcke sind jeweils um 16 Grad nach oben angewinkelt und lassen das Aggregat wie einen Weitwinkel-V-Motor aussehen. Die Zylinderköpfe gewannen dadurch 7 cm mehr Bodenfreiheit, was im militärischen Geländeeinsatz von entscheidendem Vorteil war. Gespeist wurden die vier Zylinder von einem zentralen Fallstromvergaser. Dieses Aggregat erwies sich nun als sehr laufruhig und auch ausreichend stark um in schwierigem Gelände und im Gebirge den Anforderungen von Militär und Polizei gerecht zu werden. Behördenmodelle wurden mit grauer Lackierung ausgeliefert, Privatfahrer erhielten sie in der gewohnten Puch-Farbgebung. Auch ansonsten ist sie mit dem massiven Rahmen, der Pressstahlgabel, den großen Innenbackenbremsen und dem zweigeteilten Kraftstofftank eine typische Puch. Zuerst auch wegen der Exportbeschränkungen auf deutsche BMWs und Zündapps entwickelt, sahen die Verantwortlichen nach dem „Anschluss“ Österreichs und unter der deutschen Zentralverwaltung keine Zukunft mehr für das Behördenmodell und stellten die Produktion ein. Die schwere Vierzylinder ist der Traum eines jeden Puchsammlers, und davon gibt es mehr als 800er jemals gebaut wurden.

Die jüngere Geschichte dieser schönen Puch 800 spielt sich im niederösterreichischen Bezirk Sankt Pölten-Land ab. Der Einbringer beschäftigte sich dort seit über 40 Jahren intensiv mit den Zweirädern der Marke. Er fuhr und restaurierte alle möglichen Typen über alle Hubraumklassen und machte sich auch einen Namen als Puch-Spezialist und -Problemlöser in seinem Freundeskreis. Nur die 800er blieb derweilen ein unerfüllter Traum, da es schlichtweg keine zu kaufen gab. Erst 2015 konnte er dann endlich eine Basis für eine Komplettrestaurierung ergattern. Ein Rahmen mit Gabel und passendem Motor sowie einige Anbauteilen in jeweils schlechtem Zustand mussten genügen. Laut Verkäufer stammte die Puch aus der Südsteiermark.

Die folgenden zwei Jahre opferte der glückliche Neueigentümer der Suche bzw. Beschaffung der fehlenden Teile. Wann immer möglich wurde zum gebrauchten Originalteil gegriffen, auch wenn die Aufarbeitung desselben schwierig und teuer war. Nur wenn die Suche aussichtlos erschien oder absolut unverhältnismäßig, durfte ausnahmsweise ein Reproteil in das Projekt einfließen. Kenner der Materie wissen, was es heißt einen originalen Tank, Kotflügel oder einen Lampentopf plus Tacho aufzutreiben. Diese aufreibende Sisyphus-Arbeit hat sich nun aber mehr als gelohnt und resultiert in einem sehr authentischen und überzeugenden Ergebnis. Die nächsten zwei Jahre widmete sich der Einbringer dem Aufarbeiten und Reparieren. Hier kam der 800er die zuvor erwähnte lange Erfahrung an Puch-Motorrädern zugute. Die auch bei Pensionären begrenzte Freizeit wurde vollends der über Gebühr peniblen Revision gewidmet. Nur wenn keine Stechuhr tickt, die die Rechnung hochtreibt, ist dieses Ausmaß an Perfektion möglich. Dann können Komponenten x-mal angefasst, nachgearbeitet und nachjustiert werden, solange, bis kein besseres Ergebnis mehr möglich ist. Im Mai 2019 war dann endlich das Ziel erreicht und der Puch 800 wurde die Einzelgenehmigung erteilt. Seither hat der Einbringer gerade mal 260 km angesammelt, da inzwischen das Alter seinen Tribut fordert. So wird mittlerweile vor Ausfahrten der Neffe auf ein Bier eingeladen, der dann die Maschine anwerfen muss. Das hat letztendlich zur Erkenntnis geführt, dass es an der Zeit ist, den 800er Traum für jemand anderen in Erfüllung gehen zu lassen.

Rahmen: 75293,
Motor: 75293,
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung

17.10.2020 - 16:00

Erzielter Preis: **
EUR 103.500,-
Schätzwert:
EUR 90.000,- bis EUR 120.000,-

1937 Puch 800


Das österreichische Jahrhundertmotorrad
Eine von nur 550 gebauten Puch 800
Wunderschön restauriert


Die Puch 800 war das hubraumstärkste Motorrad der Steyr-Daimler-Puch AG. Sie wurde von 1936 bis 1938 gefertigt und zwar genau 550 mal. Spricht schon die geringe Stückzahl für den Ausnahmestatus, so tut es die technische Ausführung erst recht. Die lauten Rufe der Heeresverwaltung nach einem militärisch tauglichen Beiwagenmodell aus inländischer Produktion wurden letztendlich von Puch mit der Erprobung eines 750 ccm Zweizylinder Boxer erhört, der aber wegen zu starker Vibrationen nicht überzeugen konnte.

Giovanni Marcellino legte mit einem 4-Zylinder-Entwurf nach. Wieder ein Boxer, dessen Zylinderblöcke sich aber nicht wie üblich im 180 Grad Winkel gegenüberliegen, denn beide Zylinderblöcke sind jeweils um 16 Grad nach oben angewinkelt und lassen das Aggregat wie einen Weitwinkel-V-Motor aussehen. Die Zylinderköpfe gewannen dadurch 7 cm mehr Bodenfreiheit, was im militärischen Geländeeinsatz von entscheidendem Vorteil war. Gespeist wurden die vier Zylinder von einem zentralen Fallstromvergaser. Dieses Aggregat erwies sich nun als sehr laufruhig und auch ausreichend stark um in schwierigem Gelände und im Gebirge den Anforderungen von Militär und Polizei gerecht zu werden. Behördenmodelle wurden mit grauer Lackierung ausgeliefert, Privatfahrer erhielten sie in der gewohnten Puch-Farbgebung. Auch ansonsten ist sie mit dem massiven Rahmen, der Pressstahlgabel, den großen Innenbackenbremsen und dem zweigeteilten Kraftstofftank eine typische Puch. Zuerst auch wegen der Exportbeschränkungen auf deutsche BMWs und Zündapps entwickelt, sahen die Verantwortlichen nach dem „Anschluss“ Österreichs und unter der deutschen Zentralverwaltung keine Zukunft mehr für das Behördenmodell und stellten die Produktion ein. Die schwere Vierzylinder ist der Traum eines jeden Puchsammlers, und davon gibt es mehr als 800er jemals gebaut wurden.

Die jüngere Geschichte dieser schönen Puch 800 spielt sich im niederösterreichischen Bezirk Sankt Pölten-Land ab. Der Einbringer beschäftigte sich dort seit über 40 Jahren intensiv mit den Zweirädern der Marke. Er fuhr und restaurierte alle möglichen Typen über alle Hubraumklassen und machte sich auch einen Namen als Puch-Spezialist und -Problemlöser in seinem Freundeskreis. Nur die 800er blieb derweilen ein unerfüllter Traum, da es schlichtweg keine zu kaufen gab. Erst 2015 konnte er dann endlich eine Basis für eine Komplettrestaurierung ergattern. Ein Rahmen mit Gabel und passendem Motor sowie einige Anbauteilen in jeweils schlechtem Zustand mussten genügen. Laut Verkäufer stammte die Puch aus der Südsteiermark.

Die folgenden zwei Jahre opferte der glückliche Neueigentümer der Suche bzw. Beschaffung der fehlenden Teile. Wann immer möglich wurde zum gebrauchten Originalteil gegriffen, auch wenn die Aufarbeitung desselben schwierig und teuer war. Nur wenn die Suche aussichtlos erschien oder absolut unverhältnismäßig, durfte ausnahmsweise ein Reproteil in das Projekt einfließen. Kenner der Materie wissen, was es heißt einen originalen Tank, Kotflügel oder einen Lampentopf plus Tacho aufzutreiben. Diese aufreibende Sisyphus-Arbeit hat sich nun aber mehr als gelohnt und resultiert in einem sehr authentischen und überzeugenden Ergebnis. Die nächsten zwei Jahre widmete sich der Einbringer dem Aufarbeiten und Reparieren. Hier kam der 800er die zuvor erwähnte lange Erfahrung an Puch-Motorrädern zugute. Die auch bei Pensionären begrenzte Freizeit wurde vollends der über Gebühr peniblen Revision gewidmet. Nur wenn keine Stechuhr tickt, die die Rechnung hochtreibt, ist dieses Ausmaß an Perfektion möglich. Dann können Komponenten x-mal angefasst, nachgearbeitet und nachjustiert werden, solange, bis kein besseres Ergebnis mehr möglich ist. Im Mai 2019 war dann endlich das Ziel erreicht und der Puch 800 wurde die Einzelgenehmigung erteilt. Seither hat der Einbringer gerade mal 260 km angesammelt, da inzwischen das Alter seinen Tribut fordert. So wird mittlerweile vor Ausfahrten der Neffe auf ein Bier eingeladen, der dann die Maschine anwerfen muss. Das hat letztendlich zur Erkenntnis geführt, dass es an der Zeit ist, den 800er Traum für jemand anderen in Erfüllung gehen zu lassen.

Rahmen: 75293,
Motor: 75293,
Papiere: Österreichische Einzelgenehmigung


Käufer Hotline Mo.-Fr.: 10.00 - 16.00
oldtimer@dorotheum.at

+43 1 515 60 428
Auktion: Klassische Fahrzeuge
Datum: 17.10.2020 - 16:00
Auktionsort: Messezentrum Salzburg
Besichtigung: 16.10. - 17.10.2020


** Kaufpreis inkl. Käufergebühr und Mehrwertsteuer

Es können keine Kaufaufträge über Internet mehr abgegeben werden. Die Auktion befindet sich in Vorbereitung bzw. wurde bereits durchgeführt.